Welche Neuerungen bringt das Grundsatzurteil des Bundesgerichts vom 3. Juni 2015 (BGE 141 V 281) für Ärzte und Gutachterinnen?

Das Bundesgericht verlangt bei Schmerzstörungen und vergleichbaren psychosomatischen Leiden neu die „ergebnisoffene“ Begutachtung ohne juristische Scheuklappen, die einzelfallbezogene Beurteilung des „tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens“ und die Berücksichtigung sowohl von leistungshindernden Belastungsfaktoren als auch von Kompensationspotentialen (Ressourcen). Das Bundesgericht verabschiedet sich damit von der pauschalen „Überwindbarkeitsvermutung“ und von starren Checklisten („Foerster-Kriterien“). Diese Prüfung ist deutlich fairer als […]

Renommierter Gutachter: Die Rechtsprechung des Bundesgerichts zu Schmerzkrankheiten beruht auf falschen Annahmen über die medizinische Empirie

Das Bundesgericht verweigert Schmerzkranken prinzipiell IV-Renten – dies mit der Begründung, dass «eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit zumutbarer Willensanstrengung überwindbar» sein soll. Es glaubt dabei, sich auf die medizinische Empirie (wissenschaftlich nachgewiesene Fakten) berufen zu können. Prof. Peter Henningsen (Technische Universität München) zeigt in seinem Gutachten vom Mai 2014 auf, dass dies unzutreffend ist. Er […]